Steuerung gruppendynamischer Prozesse

Selten findet in der Gestaltung von Schule die Erkenntnis Niederschlag, dass auch in Lerngruppen gruppendynamische Prozesse ablaufen. Äußeres Zeichen des Fehlens oder -noch schlimmer- des Ignorierens dieser Erkenntnis sind Lerngruppen, die aus mehr als 24 Lernende bestehen, und ein mehrfacher Lehrerwechsel am Tag.

Kommen Menschen zusammen, orientieren sie sich zunächst immer: Wer ist da, wer fehlt? Wen kenne ich, wen nicht? Wen mag ich leiden, wen nicht? Wer hat hier heute/jetzt die Macht? Wer ist aktuell Gruppenführer (LehrerIn) und wie ist er/sie drauf?

Nach der Orientierung suchen die Gruppenmitglieder ihre Position innerhalb der Gruppe und stellen sich auf und üben in unterschiedlich Untergruppen (Subsystemen) in sehr unterschiedlicher Weise Macht aus. Jetzt entstehen die Stars, die Lieblinge, die Angepassten, die Untertanen, die Außenseiter, die Geächteten und die Mobbing-Opfer.

In der Organisationsphase bilden sich die arbeitsfähigen Gruppen, verteilen die Aufgaben und gehen danch in die Produktionsphase über.

Mit jeder Veränderung der Gruppe, also auch durch den Wechsel des Gruppenführers -in der Regel des/der LehrerIn-, fällt die Gruppe zunächst zurück in die Orientierungsphase, um dann in die Phase zu gelangen, aus der sie gekommen ist. Befand sich die Gruppe in der "Positionsfindungsphase", ist der Weg nicht weit.

Ignorieren die Lehrkräfte die gruppendynamischen Prozesse, kann sich die Gruppe nicht weiterentwickeln und bleibt in der aktuell erreichten Phase hängen. Anzeichen für den Aufenthalt in der Positionsfindungsphase sind jedwedes "störende" Verhalten, gegenseitige Beschimpfungen und Erniedrigungen, Mobbing auch in sozialen Netzwerken, Ausüben körperlicher Gewalt,... Manche Klassen wechseln die gesamte Schulzeit nur zwischen diesen beiden Phasen hin und her.

Schule antwortet in den meisten Fällen auf -auch phantasierte- Probleme mit dem Schülerverhalten mit Verbots-Hausordnung, disziplinarischen Maßnahmen, die erziehen sollen (wozu denn eigentlich?), und Amoklauf-Notplänen. Tatsächlich handelt es sichjedoch in 95% der Fälle um Führungsversagen!

Gewalt, auch scheinbar erzieherische, ist ein Zeichen von Hilflosigkeit und fehlender Kommunikation auf Seiten der Führungspersonen. Sie ist ein Zeichen dafür, dass hier Menschen an ein System angepasst werden sollen.
Sie erzeugt im schlimmsten Fall Gegengewalt!

Zumindest für humanistisch geprägte Erwachsene ist es jedoch die Aufgabe als Mitglieder des machtausübenden Systems, dieses so zu gestalten und anzupassen, dass sich Menschen in ihm wohlfühlen und gedeihen können.
Die Möglichkeit für konstruktive Systemveränderungen bietet Cooperative Learning plus star - Handeln mit Haltung.

Gruppendynamik

Wer mit Cooperative Learning plus star arbeitet,

  • führt und läuft nicht treibend hinter der Gruppe her;
  • beachtet die Weiterentwicklung der Gruppe und der Untergruppen;
  • redet mit den von ihm/ihr geführten Menschen;
  • achtet auf die Bildung von guten, belastbaren Beziehungen zwischen "Führung" und Geführten - auf allen Kompetentebenen;
  • schließt Lernverträge/Ziel-Leistungsvereinbarungen mit den Menschen, deren Entwicklung ermöglicht werden soll;
  • fördert das soziale Lernen und die persönliche Weiterentwicklung von Menschen;
  • verbietet nicht, sondern bietet Verhaltensalternativen an (Formulieren Sie doch Ihre Verbots-Hausordnung um in eine Hausordnung, in der formuliert wird, was die Lernenden statt des Verbots tun sollen.);
  • führt Lerngruppe in die Produktionsphase, in der die Gruppenmitglieder selbstorganisiert und selbständig lernen;
  • entwickelt sich zur LernbegleiterIn (BeraterIn und Coach) und hat auf einmal Zeit für Einzelgespräche;
  • fördert die Teambildung und -entwicklung.
 
groupdyn © Sven-Olaf Miehe• DE-25548 Kellinghusen September 4, 2017